Der Volkswagen-Konzern hat seine Elektromobilitätsstrategie neu ausgerichtet, wobei die Priorität auf der bestehenden Architektur liegt und die Einführung der nächsten Evolutionsstufe, der Scalable Systems Platform (SSP), verschoben wird. Diese strategische Neukalibrierung sieht eine Fokussierung auf die erweiterte MEB+-Plattform für anstehende Produktneuheiten vor. Die Anpassung erfolgt angesichts veränderter Marktdynamiken und einer gedämpften Nachfrage nach rein batterieelektrischen Fahrzeugen, was Volkswagen dazu veranlasst, bestehende Investitionen in die MEB-Architektur zu strecken und deren Lebensdauer zu verlängern.
Die unmittelbare Produktoffensive konzentriert sich auf den europäischen Marktstart eines neuen Einstiegsmodells im Jahr 2026, des VW ID. Polo, dessen Basispreis auf etwa 25.000 Euro kalkuliert ist. Dieser elektrische Ableger des Polo basiert auf der MEB+ Plattform und wird zunächst mit NMC-Batterien ausgestattet sein. Kosteneffizientere Varianten mit Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP) sollen voraussichtlich sechs bis neun Monate später folgen. Der ID. Polo, der auf der Studie ID.2all basiert, wird mit einer Länge von rund 4.053 mm und einem Kofferraumvolumen von bis zu 440 Litern dimensioniert sein und überträgt die DNA des klassischen Polo in die Elektromobilität.
Parallel dazu erhalten die etablierten VW ID.-Modelle, namentlich der VW ID.3 und der ID.4, bis Ende 2026 umfassende Aktualisierungen durch die Umstellung auf die kostenreduzierende MEB+ Plattform. Der ID.3 wird im Frühjahr 2026 ein Facelift erhalten, das die Designsprache „Pure Positive“ integriert, welche erstmals beim ID.2all Concept im Jahr 2023 präsentiert wurde. Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Nutzererfahrung ist die Wiedereinführung physischer Bedienelemente, insbesondere eines Drehknopfs für die Lautstärkeregelung im Innenraum, um Kritik an den Bedienelementen früherer Generationen zu adressieren. Kai Grünitz, Leiter der technischen Entwicklung bei Volkswagen, bestätigte diese Designanpassungen, die auch dem ID.4 zugutekommen sollen, um die Modelle bis zum Ende des Jahrzehnts wettbewerbsfähig zu halten.
Die ambitionierte nächste Generation der SSP Plattform, konzipiert als hochskalierbare Architektur für das Volumen- bis Premiumsegment, erfährt eine signifikante Terminverschiebung. Das erste SSP-basierte Modell, welches als elektrischer Nachfolger des Golfs vorgesehen ist, wird nun frühestens im Jahr 2028 in Europa debütieren. Während die ursprüngliche SSP eine 800-Volt-Architektur mit Ladeleistungen bis zu 350 kW vorsah, fließen Investitionen nun in die Aufwertung der MEB-Basis, deren Ladeleistung von aktuell 135 kW auf 175 kW bis 200 kW gesteigert werden soll, während sie bei einer 400-Volt-Architektur verbleibt. Die Anpassung der SSP sieht nun sogar die Möglichkeit vor, Reichweitenverlängerer in Form von Benzinmotoren zu integrieren, um Reichweitenängste zu adressieren und die Flexibilität zu erhöhen.
Volkswagen bekräftigt mit dieser Strategie das übergeordnete Ziel, bis 2030 der führende globale Volumenhersteller im Bereich der Elektromobilität zu werden, indem alle ab 2026 neu eingeführten Fahrzeuge weltweit vollelektrisch sein sollen. Die Verlängerung der MEB-Lebensdauer durch die Integration von Technologien aus der SSP, wie neue Batteriezelltechnologien, ist Teil einer umfassenden Maßnahme zur Stärkung der finanziellen Basis des Konzerns, die auch die Entwicklung der SSP verlangsamt.


