Neu ausgewertete Aufzeichnungen des Bürgerkriegsgenerals Simon G. Griffin aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert beleuchten die scharfe Gegenüberstellung lokaler Jubelstürme in Keene, New Hampshire, nach der Kapitulation von Robert E. Lee und der unmittelbar folgenden nationalen Erschütterung durch die Ermordung von Präsident Abraham Lincoln im April 1865. Griffin, geboren am 9. August 1824 in Nelson, New Hampshire, diente als Brigadegeneral der Unionsarmee und war nach dem Krieg als Hersteller in Harrisville sowie als mehrfach gewählter Abgeordneter New Hampshires tätig, wo er das Amt des Sprechers bekleidete.
Griffin dokumentierte in seinen posthum veröffentlichten Memoiren die intensiven Feierlichkeiten in Keene unmittelbar nach der Übergabe von Lees Armee am 9. April 1865 in Appomattox Court House, Virginia, an General Ulysses S. Grant, was das faktische Ende des Sezessionskrieges darstellte. Die lokale Zeitung, der Sentinel, beschrieb den Abend des 14. April 1865, den Tag von Lincolns Ermordung, als eine Nacht, in der „Das Dorf Keene war wohl noch nie so allgemein und brillant beleuchtet.“ Die Stadt erstrahlte in hellem Licht, und die Straßen füllten sich mit einem Fackelzug, an dem Feuerwehren aus umliegenden Gemeinden sowie Musiker aus Massachusetts teilnahmen.
General Griffin hielt jedoch den verheerenden Kontrapunkt fest: „Doch genau in der Stunde, als dieser Jubel im Gange war, wurde Präsident Lincoln ermordet.“ Diese Nachricht ließ die anfängliche Euphorie abrupt in landesweite Trauer umschlagen, woraufhin die Feierlichkeiten sofort eingestellt wurden. Die Stadt Keene beging den offiziellen nationalen Trauertag am Mittwoch, dem 19. April, mit verhüllten Gebäuden, geschlossenen Geschäften, läutenden Glocken und feierlichen Gottesdiensten, die mit der Beisetzung in Washington, D.C., zusammenfielen. Die Trauerfeierlichkeiten standen in scharfem Kontrast zu den Freuden des Kriegsendes, das durch Grants großzügige Kapitulationsbedingungen gemildert wurde.
Griffin, dessen militärische Laufbahn auch die Befehlsgewalt über die Zweite Brigade der Neunten Korps bei Schlachten wie der Schlacht in der Wildnis und Spotsylvania Court House umfasste, bevor er im Mai 1864 zum Brigadegeneral der Freiwilligen ernannt wurde, dokumentierte auch ein späteres, freudiges Ereignis in seiner Heimatstadt. Sein Manuskript enthielt Details zur Sesquicentennial-Feier Keenes im Jahr 1903, die das 150-jährige Bestehen seit der Gründung der Stadt im Jahr 1753 markierte. Die Stadt Keene, benannt nach Sir Benjamin Keene, wurde 1753 inkorporiert und erhielt 1874 offiziell den Stadtstatus, nachdem die Bevölkerung bis 1870 auf fast 6.000 Einwohner angewachsen war.
Die Feier von 1903, die am 4. Juli stattfand und Tausende von Besuchern anzog, kulminierte in einer Parade mit einer „lebenden Flagge“ aus 350 Kindern und einem historischen Vortrag von Rev. Josiah L. Seward. Diese spätere Festlichkeit bot einen willkommenen Anlass zur Freude, im Gegensatz zu der abrupten Unterbrechung der Kriegsfreude im April 1865. General Griffin selbst starb am 14. Januar 1902 in Keene. Die historischen Aufzeichnungen bieten somit einen tiefen Einblick in die emotionalen Extreme, die die amerikanische Nation im Frühjahr 1865 erlebte.



