PayU Kenia stellt Betrieb ein: Liquidation nach M-Pesa-Dominanz und Lizenzentzug durch die CBK
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Die kenianische Tochtergesellschaft von PayU, einem global agierenden Giganten der Finanztechnologie, hat ihre Geschäftstätigkeit offiziell beendet. Nach sechs Jahren des Versuchs, sich auf dem hart umkämpften ostafrikanischen Markt zu etablieren, wurde das formelle Liquidationsverfahren eingeleitet. Diese Entscheidung markiert einen Wendepunkt und verdeutlicht auf drastische Weise, wie schwierig es für internationale Zahlungsdienstleister ist, in Märkte vorzudringen, die bereits von tief verwurzelten, lokalen Ökosystemen beherrscht werden.
Die formelle Abwicklung der Aktivitäten begann am 19. August 2025. An diesem Datum wurde Sona Tejpal gemäß den Bestimmungen des kenianischen Insolvenzgesetzes (Kenya Insolvency Act) zur Liquidatorin ernannt. Dieser entschlossene Schritt war die Folge einer Reihe operativer Rückschläge. Der Hauptgrund war die nahezu vollständige Marktkontrolle durch den Dienst M-Pesa von Safaricom. M-Pesa verfügt über einen erdrückenden Marktanteil und wickelt mehr als 95 % aller mobilen Geldtransaktionen im Land ab. Trotz der substanziellen Unterstützung durch die Muttergesellschaft Prosus und ihrer Präsenz in über 50 globalen Märkten gelang es PayU Kenia letztendlich nicht, einen nennenswerten Marktanteil zu gewinnen.
Erschwerend zu den operativen Herausforderungen kam die nachfolgende regulatorische Maßnahme der Zentralbank von Kenia (CBK) hinzu. Die CBK entzog PayU Kenia offiziell die Betriebslizenz, wobei diese Entscheidung am 13. Oktober 2025 in Kraft trat. Die offizielle Benachrichtigung wurde von Dr. Kamau Thugge, dem Gouverneur der CBK, unterzeichnet. Es ist wichtig festzuhalten, dass der Lizenzentzug erst nach der freiwilligen Entscheidung des Unternehmens erfolgte, die Liquidation einzuleiten. Diese Abfolge der Ereignisse legt nahe, dass der primäre Auslöser für den Rückzug die grundlegende mangelnde Rentabilität des Geschäftsmodells unter den bestehenden Marktbedingungen war und nicht ein direkter externer regulatorischer Zwang.
PayU startete seine Dienste in Kenia erstmals im Februar 2019. Der Markteintritt erfolgte über eine strategische Partnerschaft mit Cellulant, einem panafrikanischen Verarbeitungszentrum. Das ursprüngliche Ziel war es, als entscheidende Brücke zu fungieren, die globale E-Commerce-Plattformen mit den notwendigen lokalen Zahlungslösungen verbindet. Der Weg war jedoch von Anfang an steinig. Cellulant selbst geriet in erhebliche Schwierigkeiten, darunter Personalabbau und die Annullierung einer Finanzierungsrunde im Jahr 2022. Darüber hinaus machten es die intensive Konkurrenz durch etablierte Akteure wie Airtel Money und PesaPal PayU unmöglich, eine nachhaltige Nische zu besetzen.
Der Rückzug von PayU Kenia hat keine Auswirkungen auf die breiteren globalen Operationen von Prosus. Das Unternehmen durchläuft im Jahr 2025 eine strategische Umstrukturierung, die auch die Reduzierung seiner Präsenz in kleineren afrikanischen Märkten beinhaltet. Dennoch dient dieses Ereignis als aussagekräftige Fallstudie. Es unterstreicht die Realität, dass Erfolg in einem derart dynamischen Finanzumfeld mehr erfordert als nur den Einsatz modernster Technologie. Er verlangt eine tiefgreifende Integration in die lokalen Verbraucherverhaltensmuster und die Fähigkeit, die einzigartige Wettbewerbslandschaft zu navigieren. Die Geschichte von PayU Kenia zeigt, dass es selbst globalen Giganten manchmal unmöglich ist, einen lokalen Champion zu verdrängen, dessen Wurzeln tief in der Gemeinschaft verankert sind.
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Quellen
Kenya's Stock Exchange Targets Middle East Investors Amid Gulf-Africa Investment Boom
PayU Kenya Enters Liquidation Six Years After East African Market Entry
PayU Kenya Enters Liquidation After Struggling in M-Pesa-Dominated Market
Fintech PayU Exits Kenya After 6 Years Amid Financial Struggles
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