Sekundäre Gewinne als Ursache für die Persistenz dysfunktionaler Beziehungen

Bearbeitet von: Olha Yos

Zahlreiche Partnerschaften verharren hartnäckig in dysfunktionalen Mustern, ein Zustand, der maßgeblich auf unbewusst wirkende emotionale Vorteile, sogenannte sekundäre Gewinne, zurückgeführt wird. Der Psychiater Vittorio Lingiardi äußert seine Besorgnis über lebenslang andauernde, unglückliche Beziehungen, deren Fortbestand durch diese verborgenen Auszahlungen gesichert wird. Diese Dynamiken manifestieren sich oft in einer symbiotischen Konkurrenz, bei der die Partner implizit darum wetteifern, die Deutungshoheit über die Realität zu erlangen, was sich beispielsweise darin äußern kann, dass beide die Rolle des kritischen Elternteils einnehmen.

Sekundäre Gewinne stellen indirekte Vorteile dar, die aus dem Verharren in einem ungesunden Zustand resultieren, wie die Sicherung von Aufmerksamkeit oder die Vermeidung von Verantwortung. Dies kann gelegentlich das Anziehen von sogenannten „Retter“-Figuren zur Folge haben. Ein signifikanter Hemmschuh für jegliche Veränderung ist die Gefahr der Iatrogenese, einer Zustandsverschlechterung, die selbst im therapeutischen Rahmen durch vorhersehbare „psychologische Spiele“ entstehen kann, wie sie in der Transaktionsanalyse (TA) beschrieben werden. Diese Spiele dienen dazu, negative Anerkennung zu generieren oder die Zeit zu füllen, wodurch eine Fassade der Nähe aufrechterhalten wird, ohne die Risiken echter Intimität einzugehen.

Die Transaktionsanalyse, begründet von Eric Berne in den 1950er-Jahren, analysiert Interaktionen anhand von Ich-Zuständen – Erwachsenen-, Eltern- und Kind-Ich – und zielt darauf ab, problematische Kommunikationsmuster zu erkennen und zu modifizieren. Um diesen destruktiven Kreislauf zu durchbrechen, ist es unerlässlich, das aktive Spiel zu identifizieren und den sekundären Vorteil zu benennen, der aus der Nicht-Veränderung gezogen wird, beispielsweise die Umgehung der gefürchteten Nähe. Der sekundäre Krankheitsgewinn wird als Vermeidung von Verantwortung und Bequemlichkeit in der Krankheitssituation verstanden, wobei der Betroffene die Erkrankung unbewusst als Vorwand nutzt, um unangenehmen Entscheidungen aus dem Weg zu gehen.

In symbiotischen Beziehungen, die oft mit intensiver Zuneigung verwechselt werden, unterdrücken Partner ihre eigenen Bedürfnisse, um die Harmonie zu wahren, was laut Paarberaterin Christina Glasow nicht dem Idealzustand entspricht. Während gesunde Partnerschaften ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz sowie der Selbstständigkeit der Partner wahren, führen symbiotische Verstrickungen, wie von Franz Ruppert beschrieben, oft zu einer gegenseitigen Vereinnahmung und dem Verlust der individuellen Integrität. Der Weg zu einer gesünderen Verbindung erfordert die bewusste Ablehnung dieser dysfunktionalen Skripte, die aus frühen Beziehungserfahrungen resultieren und im Rahmen der Skriptanalyse der TA untersucht werden. Die Einsicht in die eigenen inneren Antreiber, wie „Sei perfekt!“ oder „Mach es anderen recht!“, ist ein zentraler Schritt zur Autonomie und zur Entwicklung der Subjektivität, die in der TA als ausgehend von der Beziehung zum „Du“ betrachtet wird.

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Quellen

  • Città Nuova

  • Città Nuova

  • Casa della Madia

  • Anobii

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