Die Futures-Märkte für Rohpalmöl (CPO) erlebten zum Jahreswechsel 2025 auf 2026 eine Konsolidierungsphase mit leicht fallenden Kursen. Dieser Trend resultierte primär aus Gewinnmitnahmen und einer gedämpften kurzfristigen Nachfrage. Am letzten Handelstag des Jahres 2025 schlossen die Kontrakte an der Bursa Malaysia Derivatives tiefer. Am 2. Januar 2026 sanken die malaysischen Palmöl-Futures um rund 1 Prozent auf Niveaus nahe 4.000 Malaysische Ringgit (MYR) pro Tonne. Diese Preisbewegung folgte auf eine Rallye im späten Dezember, die durch starke Importe Indiens, des größten Abnehmers, ausgelöst wurde.
Externe makroökonomische Faktoren übten zusätzlichen Einfluss auf die Preisentwicklung aus. Insbesondere sanken die Rohölpreise, während der malaysische Ringgit eine deutliche Stärkung erfuhr und sich einem viereinhalbjährigen Hoch näherte. Analyst Gnanasekar Thiagarajan von Kaleesuwari Intercontinental sieht die Preisunterstützung bei etwa 4.000 MYR pro Tonne. Eine potenzielle Aufwärtsdynamik wird durch die saisonal bedingte Nachfrage während des bevorstehenden Ramadan- und Neujahrsfestes im Februar 2026 erwartet. Allerdings könnte die Aufwertung des Ringgit diese Preissteigerungen dämpfen.
Die Exportzahlen Malaysias für Dezember 2025 zeigten eine Verlangsamung im Vergleich zum Vormonat November, was den kurzfristigen Verkaufsdruck verstärkte. Laut AmSpec sanken die malaysischen Exporte im Dezember 2025 um 5 Prozent auf 1,2 Millionen Tonnen. Frachtgutachter verzeichneten zudem einen Rückgang der Exporte zwischen dem 1. und 25. Dezember um 5,2 Prozent bis 5,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Gegensatz dazu stiegen die indischen Importe in den ersten 25 Tagen des Dezembers signifikant um 66 Prozent im Vergleich zum Vormonat, was kurzfristig eine Preisstütze bildete.
Diese Dynamik steht im Kontrast zu den allgemeinen Markterwartungen für 2026. Analysten von MARC Ratings prognostizieren eine Preisspanne von 3.850 MYR bis 4.250 MYR pro Tonne, was eine Mäßigung gegenüber dem Durchschnitt von 4.300 MYR pro Tonne im Jahr 2025 bedeutet. Die Verknüpfung der Rohstoffmärkte zeigt sich darin, dass der Benchmark-Kontrakt für März 2026 am 31. Dezember 2025 bei 3.998 MYR pro Tonne schloss. Gleichzeitig erlebte Rohöl der Sorte WTI seinen stärksten Jahresverlust seit 2020 mit einem Rückgang von 20 Prozent im Jahr 2025 und notierte am 2. Januar 2026 bei etwa 57,42 USD pro Barrel, während Brent nahe 61 USD pro Barrel gehandelt wurde. Fallende Energiepreise üben tendenziell einen dämpfenden Einfluss auf die Preise alternativer Pflanzenöle aus.
Die Konkurrenz durch andere Speiseöle, insbesondere Sojaöl, das von einer Erholung der Versorgung in den USA und Russland profitiert, trägt ebenfalls zur Preismoderation bei. Die Robustheit des malaysischen Ringgit bedeutet für Importeure eine Kostendämpfung, führt jedoch für Exporteure zu geringeren Erlösen in lokaler Währung. Analysten von Kenanga sehen den Wechselkurs USD/MYR Ende 2025 bei 4,08 und prognostizieren für 2026 einen Wert von 3,95, gestützt durch anhaltende ausländische Anleihezuflüsse und repatriierte Exporterlöse in Höhe von 288,9 Milliarden RM bis Oktober. Die prognostizierte BIP-Wachstumsrate Malaysias von 5,2 Prozent im dritten Quartal 2025 untermauert diese Währungsentwicklung.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Malaysian Palm Oil Council (MPOC) eine Produktionsmenge von 19,7 Millionen Tonnen und prognostiziert Exporte von 16,2 Millionen Tonnen. Diese Prognose impliziert eine langsame Normalisierung des Angebots, da die Produktion durch die Dormanzphase der Bäume gebremst wird, während die Exporte voraussichtlich zunehmen werden, was auf eine gesündere Angebots-Nachfrage-Bilanz hindeutet. Die erwartete Nachfragebelebung im Februar 2026 wird durch das bevorstehende Ramadanfest gestützt, das laut Diyanet am 19. März 2026 endet und am 20. März 2026 mit dem Zuckerfest (Eid al-Fitr) abgeschlossen wird. Marktbeobachter von MARC Ratings sehen die Preisobergrenze für CPO 2026 nur dann überschritten, wenn staatliche Eingriffe, insbesondere seitens Indonesiens, die Biodiesel-Nachfrage ankurbeln. Die Analyse zeigt somit ein Spannungsfeld zwischen kurzfristigem Preisdruck und mittelfristigen saisonalen sowie strukturellen Unterstützungsfaktoren für den CPO-Markt.


