Die Kunstszene Galiciens und die globale Kulturszene trauern um den Verlust des herausragenden Avantgardekünstlers José Freixanes. Der Künstler verstarb am Mittwoch, dem 26. November 2025, in Madrid im Alter von 72 Jahren. Freixanes, geboren 1953 in Pontevedra, galt als Eckpfeiler des galicischen plastischen Avantgardismus und spielte eine zentrale Rolle bei der künstlerischen Erneuerung der Region, die in den 1980er Jahren ihren Anfang nahm. Sein vielschichtiges und zutiefst persönliches Werk verband meisterhaft Abstraktion mit figurativer Malerei, historischen Bezügen und den Eindrücken seiner zahlreichen Reisen.
Der in Pontevedra geborene und aufgewachsene Maler verfolgte einen künstlerischen Weg, der von intellektueller Suche und dem unermüdlichen Streben nach Neuem geprägt war. Seine professionelle Ausbildung absolvierte er an den Kunsthochschulen in Bilbao und Madrid, wobei er sich Ende der 1980er Jahre endgültig in Madrid niederließ. Freixanes war der Bruder des Schriftstellers und Verlegers Víctor F. Freixanes, des ehemaligen Präsidenten der Königlichen Galicischen Akademie. Zu Beginn der 1980er Jahre engagierte sich José Freixanes aktiv in der „Grupo Atlántica“. Dieses Kollektiv verlieh der galicischen Kunstszene um diese Zeit neuen Schwung und internationale Sichtbarkeit, indem es eine eigene, weltoffene Vision vertrat. Diese Bewegung, die etwa von 1980 bis 1983 existierte, markierte einen Wendepunkt für die galicische Kunst und katapultierte viele ihrer Vertreter, einschließlich Freixanes, auf die nationale Kulturkarte Spaniens.
Über fast fünf Jahrzehnte hinweg entwickelte der Maler eine unverwechselbare künstlerische Sprache. Diese integrierte Elemente des Primitivismus, der Erinnerung, der Geschichte und der Reiseerfahrungen. Seine Aufenthalte in Marokko und insbesondere in Indien, dem Herkunftsland seiner Kinder, prägten sein kreatives Universum nachhaltig. Es entstand eine tiefe Verbindung zwischen westlichen und östlichen Einflüssen. Diese kulturelle Symbiose zeigte sich eindrücklich auf seiner letzten Ausstellung in Galicien, „Fíos“ (Fäden), die 2023 in der Galería Trinta in Santiago de Compostela präsentiert wurde. Dort integrierte er handwerkliche Techniken und bekräftigte stets die Ansicht, dass „Kunst und Handwerk gleichermaßen wichtig sind“.
Das Œuvre von José Freixanes ist in bedeutenden nationalen und internationalen Sammlungen vertreten. Dazu zählen das Zentrum für Galicische Zeitgenössische Kunst (CGAC), Afundación, das Museo Reina Sofía sowie die Sammlungen der JPMorgan Chase Bank und von UBS. Der Künstler organisierte auch Einzelausstellungen in Galerien in Paris und Wien, womit er seine Arbeit über die Grenzen Spaniens hinaus präsentierte. Sein institutioneller Beitrag umfasste Lehrtätigkeiten an der Fakultät für Bildende Kunst in Granada und seine Mitgliedschaft in der Kommission für Bildende Künste des Consello da Cultura Galega, wo er maßgeblich an der Gründung des CGAC mitwirkte.
Freixanes’ Interesse am Flüchtigem manifestierte sich in bemerkenswerten Installationen. Hierzu zählen „Cartografía do tempo“ (Kartographie der Zeit), die in der Kirche San Domingos de Bonaval gezeigt wurde, und „72 silencios“ (72 Schweigen) auf der XXX. Biennale von Pontevedra. Weitere bedeutende temporäre Arbeiten wurden in Casablanca (Marokko), Damaskus (Syrien) und Rabat realisiert. Seine Installation „Al final del amanecer“ (Am Ende der Morgendämmerung) in Casablanca entstand als mehrfarbiges Wandgemälde aus der Kleidung von Immigranten und zeugte von seinem gesellschaftlichen Engagement. Das künstlerische Erbe Freixanes’, das sich über fast fünf Jahrzehnte erstreckt, festigte seinen Status als einer der originellsten und persönlichsten Künstler seiner Generation, der es verstand, die Leinwand in einen emotionalen Raum der Erinnerung und des kulturellen Dialogs zu verwandeln.



