Iran: Jugend zwischen galoppierender Inflation und dem Schatten der Sanktionen
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Die junge Generation im Iran, insbesondere die Gen Z, sieht sich einer Wirtschaftslage von beispielloser Härte gegenüber. Tägliche Preisschwankungen, hohe Arbeitslosigkeit und die Erosion langfristiger Zukunftsperspektiven nähren eine tiefe gesellschaftliche Verunsicherung. Diese Umstände werden durch jüngste geopolitische Spannungen und die erneute Verhängung internationaler Sanktionen gegen Teheran noch verschärft.
Berichte junger Iraner wie Elnaaz und Bita zeichnen das Bild eines Alltags, in dem die Kosten für das Lebensnotwendige täglich neu kalkuliert werden müssen. Die Möglichkeit, Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Fisch oder Reis in angemessenen Mengen zu erwerben, hängt oft vom Zeitpunkt des nächsten Gehaltschecks ab. Die finanzielle Not ist so erdrückend, dass manche Familien sich gezwungen sehen, sogar Haustiere abzugeben, da die Versorgungskosten nicht mehr tragbar sind. Ein kürzlich erlebter, zwölf Tage andauernder Konflikt mit Israel im Juni führte zu sofortigen Preissteigerungen und einer allgemeinen Angstatmosphäre.
Die statistische Lage unterstreicht die Dramatik: Während die offizielle Arbeitslosenquote bei 7,6 Prozent liegt, ist fast jeder fünfte junge Iraner ohne feste Anstellung. Aktuelle Daten zeigen, dass die Arbeitslosenquote für Jugendliche im Jahr 2024 bei 22,75 Prozent liegt. Etwa 80 Prozent der Haushalte leben unterhalb der globalen Armutsgrenze. Diese Zahlen belegen eine systemische Herausforderung, bei der selbst Erwerbstätigkeit keinen Schutz vor dem Abrutschen in die Prekarität bietet. Experten weisen darauf hin, dass die offizielle Jugendarbeitslosigkeit, die 2011 noch bei 23 Prozent lag, auch heute noch ein massives Problem darstellt, wobei die tatsächliche Zahl durch versteckte Arbeitslosigkeit und reduzierte Arbeitszeiten noch höher sein dürfte.
Die individuellen Reaktionen auf diese Zwangslage sind vielfältig. Elnaaz sehnt sich nach der Normalität, die sie bei Gleichaltrigen im Ausland vermutet, und träumt von einer Zeit, in der Sommerurlaube wieder denkbar sind. Bita hat persönliche Ambitionen zurückgestellt und wünscht sich nun nichts sehnlicher als die Rückkehr zu Freiheit und wirtschaftlicher Stabilität. Amin hingegen artikuliert eine wachsende, unterschwellige Verärgerung der Jugend über das Fehlen jeglicher Entwicklungsperspektive. Er sieht die Führung der Islamischen Republik in der alleinigen Verantwortung, sollte es zu weiteren militärischen Eskalationen kommen, da die frühere Rhetorik der nationalen Einheit durch externe Bedrohung ihre Glaubwürdigkeit verloren hat.
Die jüngsten UN-Sanktionen, die nach dem Scheitern der Atomverhandlungen wieder in Kraft traten, drohen die Situation weiter zu verschärfen. Analysten befürchten eine gleichzeitige Hyperinflation und schwere Rezession. Die iranischen Öleinnahmen könnten bei voller Durchsetzung der Sanktionen auf unter 18 Milliarden Dollar abstürzen, was die Inflation auf über 90 Prozent treiben würde. Die Regierung versucht, mit einer Strategie der Selbstgenügsamkeit und verstärkten Handelsbeziehungen zu China und Russland gegenzusteuern, doch die tiefe Kluft zwischen der Bevölkerung und einer privilegierten Elite verschärft die innere Spannung. Für viele junge Iraner, die Jahre politischer Repression und sozialer Einschränkungen erlebt haben, stellt die aktuelle Lage eine Zerreißprobe dar. Jene, die über die Mittel verfügen, sehen in der Emigration eine notwendige Flucht, während jene, die bleiben müssen, nach Wegen suchen, inmitten der Turbulenzen ihren täglichen Weg zu finden, in der Hoffnung auf baldige Wandlung der äußeren Spiegelungen.
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Quellen
Deutsche Welle
Al Jazeera
BBC News
Reuters
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