Tulathimuttes Erzählband „Rejection“ thematisiert digitale Entfremdung und Ablehnung
Bearbeitet von: Olha 12 Yo
Die Erzählsammlung „Rejection“ von Tony Tulathimutte, die auch im Jahr 2025 noch Relevanz besitzt, konzentriert sich intensiv auf die zeitgenössischen Spannungsfelder von Einsamkeit und Internetsucht. Die miteinander verwobenen Protagonisten dieser Texte kämpfen mit dem Gefühl der Ablehnung in Bezug auf Liebe und Identität, eine Notlage, die durch ihre „Very Online“-Existenz signifikant verschärft wird. Die Sammlung, bestehend aus sieben lose verknüpften Erzählungen, wird für ihre sprachliche Brillanz und ihre schonungslose Beobachtungsgabe gefeiert, mit der die unbequemen Wahrheiten der chronisch online lebenden Generation eingefangen werden.
Ein zentrales Motiv beleuchtet den performativen Aktivismus, exemplarisch dargestellt durch einen Mann, der sich aus rein romantischem Kalkül dem Feminismus zuwendet. Diese Figur, in der Geschichte „The Feminist“, durchläuft eine Entwicklung, die von hoffnungsvollen Versuchen der Liebe zu einer verbitterten Akzeptanz der Einsamkeit führt, wobei seine anfängliche feministische Haltung in Nihilismus umschlägt, da sie ihm nicht zum erhofften Erfolg verhilft. Die Erzählung kartiert den Weg dieses Charakters, der in einer progressiven Mädchenschule aufwuchs, hin zur Radikalisierung, die in der Planung eines Amoklaufs gipfelt, was die Konsequenz seiner erlittenen Zurückweisungen aufzeigt.
Ein weiteres wiederkehrendes Element thematisiert die obsessive Fixierung auf einen unerreichbaren Partner, ein Zustand, der das Selbstwertgefühl und die sozialen Interaktionen der Figur nachhaltig zerstört. Ein Beispiel hierfür ist die Figur Kant in „Ahegao, or, The Ballad of Sexual Repression“, dessen sexuelle Unterdrückung sich in Fantasien sexueller Degradierung in Gay Hentai manifestiert, was in der Veröffentlichung seiner tiefsten sexuellen Wünsche an seine gesamte Kontaktliste kulminiert. Diese Charaktere sind oft von einer Sehnsucht nach echter Verbundenheit getrieben, scheitern jedoch an der Unfähigkeit, dauerhafte romantische Beziehungen zu etablieren, was zu einer Lähmung führt, die Tulathimutte als die Tragödie des „Nicht-Geschehens“ beschreibt.
Die digitale Entfremdung manifestiert sich auch in der Flucht in Suchtverhalten als digitalen Eskapismus nach einer Trennung. Die Figur Bee in „Main Character“ verfällt dem Internet-Trolling, um die Leere zu füllen, indem sie Tausende von Bot-Konten erstellt, um Diskurs zu stiften, während ihre Mutter an Krebs stirbt, wobei die Geschichte selbst die Authentizität dieser Beichte in Frage stellt. Diese Rückzüge in die digitale Sphäre dienen als temporäre Linderung für den Schmerz der realweltlichen Ablehnung, was die Tendenz verstärkt, sich von der greifbaren Welt zu isolieren.
Die Struktur der Sammlung, als Roman-in-Geschichten konzipiert, erlaubt es den einzelnen Krisen, sich gegenseitig zu verstärken, wobei die Metafiktion ein wichtiges Werkzeug darstellt. Die abschließende Erzählung, „Re: Rejection“, ist als detaillierter Ablehnungsbrief an den Autor selbst konzipiert, der das Manuskript des Buches zurückweist und somit die thematische Fixierung auf das Scheitern auf einer narrativen Ebene spiegelt. Die Figuren in „Rejection“ sind oft gefangen in einem Kreislauf aus Selbstmitleid und Selbsthass, wobei ihre überzogenen Persönlichkeiten dennoch eine Vertrautheit in den unsichersten Teilen der menschlichen Psyche ansprechen. Die Erzählungen verdeutlichen, dass das Fehlen von Liebe dennoch als persönliches Versagen empfunden wird, was die Charaktere zu verzweifelten Handlungen treibt, um Anerkennung zu erlangen.
16 Ansichten
Quellen
de Volkskrant
Esquire
The Guardian
Bol.com
Barnes & Noble
NYS Writers Institute
Weitere Nachrichten zu diesem Thema lesen:
Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.



