Wiederentdecktes Freud-Porträt: Authentisches Gemälde von 1936 identifiziert

Bearbeitet von: Olha Yos

Ein lange als verschollen oder als Studio-Kopie betrachtetes Porträt von Sigmund Freud, das 1936 von Wilhelm Victor Krausz in Freuds Sommerresidenz in Grinzing gemalt wurde, ist nun als das authentische Gemälde von 1936 identifiziert worden. Krausz fertigte auch zwei Studiokopien des Porträts an. Diese bedeutende Entdeckung wurde von Kuratoren des Sigmund Freud Museums in Wien gemacht, während sie sich auf eine bevorstehende Ausstellung vorbereiteten. Die Erkenntnis, dass es sich um das Original handelt, das einst als NS-Raubgut galt, markiert einen wichtigen Moment in der Provenienzforschung und der Aufarbeitung historischer Unrechtmäßigkeiten.

Die Identifizierung gelang durch die Auswertung einer bisher unveröffentlichten Fotografie aus dem Besitz von Alexander Freud, Sigmund Freuds Bruder. Dieses Foto zeigt das Originalgemälde in Alexander Freuds Wohnung und stimmt mit dem Werk überein, das sich im Besitz des Jüdischen Museums Wien befindet. Ein Experte des Dorotheum Wien bestätigte die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es sich um dasselbe Kunstwerk handelt. Das Jüdische Museum Wien hat daraufhin das Auktionshaus Kinsky kontaktiert, um die Herkunft des Gemäldes weiter zu klären. Das Porträt wurde erstmals 2006 vom Auktionshaus Kinsky in Wien aus einer „österreichischen Privatsammlung“ in die Vereinigten Staaten verkauft. 2019 wurde es erneut vom selben Auktionshaus angeboten und von den „Freunden des Jüdischen Museums Wien“ für dessen Dauerausstellung erworben.

Der Fall wird nun der Wiener Restitutionskommission zur Überprüfung vorgelegt. Diese Kommission spielt eine entscheidende Rolle bei der Rückgabe von Kulturgut, das während der NS-Zeit unrechtmäßig entzogen wurde. Österreich hat Kommissionen und rechtliche Rahmenbedingungen, wie die Wiener Restitutionskommission und das Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen von 1998, geschaffen, um diese komplexen Fälle zu bearbeiten und die Rückgabe gestohlener oder geraubter Kunst an die rechtmäßigen Erben zu erleichtern. Das wiederentdeckte Porträt wird eine zentrale Rolle in der Sonderausstellung „Der Fall Freud. Dokumente des Unrechts“ spielen, die ab dem 24. Oktober 2025 im Sigmund Freud Museum zu sehen sein wird. Die Ausstellung beleuchtet die letzten Monate der Familie Freud im nationalsozialistischen Wien und thematisiert die Mechanismen von Erpressung und Raub, die das NS-Regime anwandte. Sie wird auch die systematische Enteignung von Sigmund Freud und seinem Bruder Alexander beleuchten. Alexander Freud wurde nach 1938 zur Emigration gezwungen und floh über die Schweiz nach Großbritannien und dann 1940 nach Kanada, wo er 1943 starb. Eine Gestapo-Mitteilung von 1940 bezüglich der Beschlagnahmung aller Möbel von Alexander Freud diente als letzte Spur des Verbleibs des Gemäldes. Die Ausstellung wird auch das Schicksal ihrer vier Schwestern beleuchten, die vom NS-Regime deportiert und ermordet wurden.

Die Forschung zu diesem Porträt ist ein Beispiel dafür, wie beharrliche Provenienzforschung Licht auf verborgene Wahrheiten werfen und zur Klärung historischer Ungerechtigkeiten beitragen kann. Das Sigmund Freud Museum selbst, gelegen in der Berggasse 19, ist ein Ort von historischer Bedeutung, da Freud dort von 1891 bis 1938 lebte und arbeitete. Nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten im Jahr 1938 wurde das Haus zunächst als Sammelwohnung für Juden genutzt, bevor es 1971 in ein Museum umgewandelt wurde. Die umfassende Renovierung und Erweiterung im Jahr 2020 hat die Ausstellungsfläche verdoppelt und ermöglicht nun eine tiefere Auseinandersetzung mit Freuds Leben, Werk und dem Einfluss der Psychoanalyse auf Kunst und Gesellschaft. Die Wiederentdeckung des Porträts unterstreicht die fortwährende Relevanz der Provenienzforschung, insbesondere im Kontext von NS-Raubkunst. Sie erinnert daran, dass hinter jedem Kunstwerk eine Geschichte steht, die es wert ist, erforscht und verstanden zu werden, um ein vollständigeres Bild der Vergangenheit zu zeichnen und Gerechtigkeit für die Opfer zu fördern.

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Quellen

  • Vorarlberg Online

  • Der Fall Freud. Dokumente des Unrechts - Sigmund Freud Museum

  • Exhibition Details - Sigmund Freud Museum

  • Highlights Programm 2025 - Sigmund Freud Museum

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