Kleiner Frosch
Gestärkte Position: Mileis La Libertad Avanza sichert sich entscheidenden Vorsprung bei argentinischen Parlamentswahlen
Bearbeitet von: Olha 12 Yo
Der 26. Oktober 2025 markierte einen Wendepunkt in Argentiniens politischer Landschaft. Präsident Javier Milei und seine Koalition La Libertad Avanza (LLA) verbuchten bei den Legislativwahlen einen substanziellen Erfolg, der die Basis für die Fortführung seiner tiefgreifenden Reformagenda bildet. Dieser Urnengang, der als erster echter Stimmungstest für die radikale „Schocktherapie“ des Präsidenten galt, führte zu einer deutlichen Stärkung der Regierungspartei im Nationalkongress.
Die Wahlergebnisse belegten einen klaren Sieg für LLA: Die Koalition vereinte landesweit rund 40,8 Prozent der Stimmen auf sich und distanzierte damit die vereinte peronistische Opposition, die auf etwa 24,3 Prozent kam. Dieser Zuspruch manifestiert sich in einem signifikanten Zugewinn an Mandaten in beiden Kammern. Die Sitze der LLA in der Abgeordnetenkammer stiegen demnach auf 64, während die Peronisten 31 Sitze erhielten. Mit insgesamt mehr als einem Drittel der Sitze in beiden Kammern erhält Milei die entscheidende Fähigkeit, Gesetzesvorhaben der Opposition zu blockieren und die Gültigkeit präsidialer Dekrete zu untermauern, da Vetos nicht mehr überstimmt werden können. Die Koalition konnte ihre Dominanz in 15 der 24 Wahlbezirke etablieren, darunter auch in den Schlüsselregionen Buenos Aires, Santa Fe und Córdoba.
Politische Beobachter interpretieren diesen Triumph als Ausdruck der tiefen Sehnsucht der Wählerschaft nach wirtschaftlicher Neuordnung und der Furcht vor einer Rückkehr des Peronismus. Der Sozialwissenschaftler Nicolás Welschinger fasste die Stimmung als eine Entscheidung zwischen „Milei oder dem Chaos“ zusammen. Diese Polarisierung festigte die Unterstützung für die Regierung, auch wenn die Wahlbeteiligung mit 61 bis 68 Prozent einen Rückgang verzeichnete – die niedrigste seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 1983. Die geringe Beteiligung deutet darauf hin, dass nicht alle Bevölkerungsteile den eingeschlagenen Weg mit Überzeugung begleiten.
Die Herausforderungen bleiben immens, wie Analysten betonen. Selbst eine makroökonomisch solide konzipierte Politik findet ihre Grenzen, wenn es um die schnelle Generierung von Arbeitsplätzen und die spürbare Erholung der realen Löhne geht. Die argentinische Wirtschaft, die nach einer Rezession im Jahr 2024 nun für 2025 ein Wachstum von über 5 Prozent prognostiziert, steht vor der Aufgabe, diesen Aufschwung nachhaltig zu gestalten. Die Stabilisierung der Inflation, die von fast 290 Prozent im April 2024 auf unter 30 bis 40 Prozent bis Jahresende gedrückt werden soll, ist ein erster Erfolg der rigiden Sparmaßnahmen, die zu einem Rückgang der öffentlichen Subventionen um 34 Prozent zwischen Dezember 2023 und Mai 2024 führten.
Die Wähler haben der Regierung ein Instrumentarium an die Hand gegeben, um die Struktur des Landes neu zu justieren. Die tatsächliche Verwirklichung des Potenzials hängt davon ab, wie die Bevölkerung die unmittelbaren Auswirkungen der Deregulierung und der Staatsausgabenkürzungen erlebt. Die kommenden Wahlen im Jahr 2027 werden zeigen, ob die Saat der Veränderung aufgeht und die Bevölkerung die Früchte der Stabilität erntet.
Quellen
Deutsche Welle
Edelman Global Advisory
Buenos Aires Herald
News Room USA
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