Eine neue Studie von Liao, Wang und Liu aus dem Jahr 2025 unterstreicht, dass für das Verständnis und die Bewältigung des städtischen Hitzeinseleffekts (UHI) nicht nur die durchschnittlichen Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land, sondern vor allem die Temperaturvariabilität und -persistenz von entscheidender Bedeutung sind. Diese Erkenntnisse sind angesichts des fortschreitenden Klimawandels für die Stadtplanung und den öffentlichen Gesundheitsschutz von großer Wichtigkeit.
Die Forschung nutzte hochentwickelte globale Klimamodelle und einen neuartigen Ansatz, bei dem die städtisch-ländlichen Temperaturunterschiede durch einen „standardisierten mittleren UHI-Effekt“ normalisiert wurden. Dieser Ansatz, der die Temperaturvarianz berücksichtigt, erklärt bis zu 94 % der Unterschiede in der Häufigkeit von heißen Tagen in städtischen und ländlichen Gebieten. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, über reine Durchschnittstemperaturen hinauszublicken, um die tatsächliche Hitzebelastung in Städten zu erfassen.
Ein zentraler Aspekt der Studie ist die Betonung der Temperaturpersistenz, also der Dauer, über die erhöhte Temperaturen an aufeinanderfolgenden Tagen anhalten. Städte mit einem ausgeprägten standardisierten mittleren UHI-Effekt und erhöhter Temperaturpersistenz sind besonders anfällig für langanhaltende Hitzeperioden. Dies hat direkte gesundheitliche Auswirkungen, da anhaltende Hitze das Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen erhöht und die allgemeine Lebenserwartung negativ beeinflussen kann. Studien schätzen die jährlichen Kosten für hitzebedingte Gesundheitsschäden in europäischen Städten auf durchschnittlich 192 € pro Einwohner.
Die Ergebnisse legen nahe, dass traditionelle Hitzewarnsysteme und Planungsstrategien, die sich primär auf mittlere Temperaturen konzentrieren, die Risiken urbaner Hitze unterschätzen könnten. Es wird empfohlen, die neuen Metriken, die Variabilität und Persistenz berücksichtigen, in die Hitzevulnerabilitätsanalysen zu integrieren. Dies ermöglicht eine präzisere Priorisierung von Minderungsmaßnahmen und eine verbesserte Genauigkeit von Frühwarnsystemen.
Die Implikationen für Stadtplaner und politische Entscheidungsträger sind weitreichend. Maßnahmen zur Minderung des UHI-Effekts sollten nicht nur auf die Reduzierung der Durchschnittstemperatur abzielen, sondern auch auf die Beeinflussung von Temperaturvariabilität und -persistenz. Strategien wie strategische Begrünung, die Schaffung von Schatten durch Bäume mit großen Kronen, die Implementierung von Wasserelementen und die Verwendung von Materialien mit geringerer Wärmespeicherung sind hierbei essenziell. Beispielsweise kann die Beschattung durch Bäume die Temperaturen um bis zu 7 Grad Celsius senken, während die Verdunstung zusätzliche Kühlung bewirkt. Auch Dach- und Fassadenbegrünungen sowie helle Dachanstriche können das Mikroklima in Stadtvierteln signifikant verbessern.
Die Forschung unterstreicht die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der urbanen Klimaanpassung. Durch ein besseres Verständnis der Komplexität städtischer Hitzephänomene können Städte widerstandsfähiger gegenüber Hitzewellen gestaltet werden, was nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung schützt, sondern auch die allgemeine Lebensqualität in urbanen Räumen erhöht. Die Integration dieser fortschrittlichen Analysemethoden verspricht, zukünftige Forschungsansätze und Minderungsstrategien maßgeblich zu prägen.